Interdisziplinäre Emotionsforschung zwischen Neurowissenschaften und Philosophie

animal emotionale II – Existentielle Gefühle, Psychopathologie und die Reichweite evolutionärer Erklärungen 

Der Mensch, so die Grundthese unseres Forschungsansatzes, ist ein durch und durch emotionales Wesen – ein animal emotionale. Gefühle prägen nicht nur unser Erleben, sondern auch unser Denken, Entscheiden und Handeln, indem sie für uns einen primären Bezug zur Welt herstellen. Diese affektive Intentionalität von Emotionen war Gegenstand unserer philosophischen und neurowissenschaftlichen Studien in animal emotionale I. Diese Arbeit wird nun unter Aufnahme zweier neuer Disziplinen (Evolutionäre Anthropologie und Psychopathologie) und durch Einbeziehung der Kategorie so genannter existentieller Gefühle fortgesetzt und erweitert.

 

Affektive Prozesse dienen nicht allein dazu, uns wertend auf bestimmte Objekte oder Situationen zu beziehen, wie etwa bei den Basisemotionen Angst und Ekel, sondern vermitteln uns, in Form existentieller Gefühle, auch einen intrinsisch qualitativen Bezug zur Welt als Ganzer. Dieser selbstverständliche affektiv getönte Bezug zur Welt wird insbesondere sichtbar, wenn er gestört ist, wie z.B. im Gefühl der Derealisation, das die Welt als unwirklich und unecht erscheinen lässt. Die Kategorie existentieller Gefühle wird bis jetzt vorwiegend im Bereich der phänomenologisch orientierten Philosophie untersucht. Daran anknüpfend arbeiten wir in den ersten beiden Teilprojekten eine analytisch orientierte Systematik existentieller Gefühle aus. Wir berücksichtigen dabei Einsichten der Psychopathologie, diskutieren ihre prinzipielle empirische Zugänglichkeit aus neurophilosophischer Sicht und führen exemplarisch eine bildgebende Studie an Patienten mit Depersonalisations- und Derealisationsyndrom durch.

 

Die Evolutionstheorie steht historisch am Anfang psychologischer Emotionstheorien. Daher überprüfen wir im dritten Teilprojekt die Erklärungskraft evolutionärer Erklärungen für Emotionen im Allgemeinen und (in Anknüpfung an unsere empirischen Studien in animal emotionale I) für Angst und Ekel im Besonderen. Diesem wissenschaftsphilosophischen Projekt zur Seite steht im vierten Teilprojekt eine empirische Studie, in der die neuronalen Korrelate des Erlebens von Angst und Ekel sowohl bei Gesunden als auch bei Patienten mit Spinnen- bzw. Blutphobie untersucht werden. Diese Phobien werden zudem philosophisch als wissenschaftstheoretische Fallstudie untersucht. Die Ergebnisse dieser Fallstudie liefern Kriterien für die Relevanz neurobiologischer Erkenntnisse für evolutionäre Erklärungsansätze im Allgemeinen. Im fünften Teilprojekt untersuchen wir die Frage, ob sich funktionale Äquivalente existentieller Gefühle, die bisher als typisch menschlich konzipiert wurden, auch bei Tieren finden und ob und wie sich existentielle Gefühle auch evolutionär erklären lassen können.


Die folgende Grafik verdeutlicht die Verzahnung zwischen den einzelnen Teilprojekten:

 

Teilprojekt 1: Theorie existentieller Gefühle
Teilprojekt 2: Existentielle Gefühle und Empirie

Teilprojekt 3: Evolutionstheorie und Basisemotionen

Teilprojekt 4: Neurophilosophie von Angst und Ekel

Teilprojekt 5: Existentielle Gefühle und Evolutionstheorie


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